Zusammenhänge

 

Also was mich wirklich fasziniert, ist die Sehnsucht des Menschen, alles in Zusammenhängen zu denken. Ich meine, eh klar. Zusammenhanglos lässt sich ja auch nicht wirklich gut leben, lässt sich die Welt nicht verstehen. Es muss sie also geben, die Zusammenhänge. Der Drang, sie zu finden, sichert unser Überleben. Wie wundervoll verstrickt ist auch alles in unserer herrlichen Welt!

Spannend wird es dort, wo sich die Zusammenhänge verbergen. Hier wird der Forschergeist lebendig. Noch spannender aber ist es, wenn Zusammenhänge sich jedem Forschergeist entziehen, wo das Messen und Wägen der Naturwissenschaften, die Logik der Geisteswissenschaften, die Erfahrung der Alten, die Indizien der Theologen an ihre Grenzen stoßen. Weil so oft dann doch lieber nach Zusammenhängen gesucht wird, als sich einfach einzugestehen, dass man halt (noch) keine Ahnung hat.

Das füllt die Bücher, Nachrichtenportale und Zeitschriften, darauf stürzen wir uns, und da ist uns dann schnell einmal jedes Mittel Recht, um Zusammenhänge zu konstruieren, Überzeugungen zu etablieren, Fantasiekonstrukte durch häufige Wiederholung der Realität ins Maul zu stopfen, Verschwörungen zu vermuten. Ganz zu schweigen von den absichtlich erzeugen Unsinnigkeiten und magischen Produkten, welche sich so in unser Denken streuen, das ganz verwirrt nicht mehr zwischen realen Märchen und märchenhafter Realität zu unterscheiden vermag. Solche Überzeugungen sind dann wie das Benzin für unsere Streitmotoren, mit denen wir unseren Mitmenschen auf die Nerven gehen, ihnen die Welt erklären, sie herdenweise durch irre Ideen treiben, ihnen das Geld aus den Taschen ziehen, Macht begründen. Ein wunderbares Feld der politischen Betätigung.

Wie schwer fällt es uns, dem ruhig zuzuhören, der gerade die andere Seite der Ideen wälzt und anders zu leben wagt, als es uns recht erscheint, wie schwer ihn Freund zu heißen, ihr zur Seite zu bleiben. Wie leicht ist es, solche auf immer aus unserer Blase zu verstoßen und in ihre Tunnel zu jagen.

Als Christ glaube ich ja dann auch an Offenbarungen. Aber wie schnell vermischt sich Aberglaube mit wirklich glaubwürdigen Indizien, wie schnell wird einem Schöpfer etwas unterstellt, zerfrisst Religiöses, magisch Gedachtes, gar Animistisches, jede ehrliche Suche nach Transzendenz. Werden die Bäume des Lebens und der Erkenntnis vertauscht.

Und so erlebe ich, wie hart es für Menschen ist, neben der Erforschung und Klärung der Zusammenhänge die Ahnungslosigkeit aus-, die Zusammenhangslosigkeit festzuhalten.

Wo doch Wissen und Ahnungslosigkeit zum Begreifen unseres Seins so nötig sind.

 

 

 

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