Leuteschinder: Angst

Schon wieder muss ich in einem Buch lesen, dass die Angst gesund wäre. Sie würde uns schützen und vor gefährlichen Situationen bewahren. Es dürfte kein Zufall gewesen sein, dass im selben Text dann auch Ängste geschürt wurden.

Da fragt mich doch meine Lebenserfahrung ganz deutlich: Schützt uns Angst?

Also ja, ich klettere nicht auf jeden Berg. Die Höhenangst gesellt sich zur Erkenntnis meiner zu geringen Übung für gewisse Gefahrenstellen und schon schaltet mein Empfinden auf: Nein, Danke! Doch kenne ich genügend Menschen, die ohne Höhenangst sehr gut leben können. Ist es Angst, die mich und den Höhenangstlosen schützt, oder ist es nicht vielmehr die Vernunft, welche uns beide beseelt? Sollten Gefühle mich leiten oder eher meinen Hausverstand unterstützen?

Das Gefühl der Angst ist, wie ich meine, viel zu individuell und von zu vielen Faktoren abhängig, als dass es so generell als Schutzmantel herhalten könnte. Kaum sitzt man in einer neuen Limousine, fühlen sich 150 km/h ganz anders an als in dem alten lauten Gebrauchtwagen. Keine Frage, die neue Limo ist vermutlich sicherer, – aber nicht in jeder Situation. Gleichzeitig mutiert Angst schnell zum selbstverletzenden Korsett. So wie wir in unterschiedlichen Autos sitzen, fahren wir auch mit unterschiedlich gestricktem Nervenkostüm durch unser Leben.

Angst sei kein guter Lehrmeister, heißt es, schon aber die Vernunft. Wohl der, die weiß mit ihren eigenen Ängsten umzugehen, um sie richtig für das Leben zu nützen, was nicht jeder von uns bereits zur Meisterschaft gebracht haben dürfte. Von denen, die die Angst zu schüren wissen aber, lernt man wohl den gesunden Umgang mit ihr am wenigsten. In deren Netzen gerät man leicht ins Wanken, um in Folge von der einen in die nächste Seelennot zu stolpern, dort lernt man die üblen Geschwister seiner Ängste kennen.

Natürlich verkauft die Angst sich gut. Wirtschaftlich gut performt, wer von Ängstlichen finanziert wird. Kleine wie große Gemeinwesen nutzen sie gerne als schnell zur Verfügung stehendes unerschöpfliches Schmiermittel für ihre Sozialmaschinen. Altbewährtes Hausmittel, Zauberformel zum schnellen Etappensieg.

Was aber könnte ich verwenden, wenn ich nicht mitspielen will, die Angst als geliebtes kleines Helferlein im Leben ablehne, um den Mühlen der Seelenfänger zu entgehen?

Respekt scheint mir der bessere Ratgeber zu sein. Vor Situationen und Menschen kann man ihn lernen, vernünftig einsetzen, zur rechten Zeit auch wieder verlieren.

 

 

2 Kommentare zu „Leuteschinder: Angst

  1. Lieber Andreas, ich lese so gerne Deinen Blog, hab dich zufällig entdeckt und freue mich an deinen Gedanken teil haben zu können. Sie regen zum Weiterdenken an oder bestätigen das, was man eigentlich schon weiß, manchmal bauen sie in
    passender Situation auf, wie dieser zum Beispiel! Wie geht es euch? Auf meinem Laptop klebt seit Jahren das Foto von unseren zufälligen Treffen auf dem Gaisberg und immer wieder nehme ich mir vor zu schreiben….Achherje, nun auf diesem Weg.;)

    Liebe Grüße Sandra aus dem hohen Norden;) (Malluschke jetzt Dehne)

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